Freiberg tankt Ideen für Deutschland

Freie Presse - 1.2.2006

Pflanzenöl-Initiative „tanklust” gewinnt beim Standortwettbewerb „365 Orte im Land der Ideen”

Die Idee, mit nachwachsenden Kraftstoffen dem Frust an der Tankstelle zu entgehen, hat der Freiberger Initiative „tanklust” zum Sieg beim bundesweiten Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen” verholfen.

Die neuen Drei von der Tankstelle: Gunter Erfurt, Sascha Wagner und Erik Verchau vom tanklust-Verein haben gestern symbolisch mit Salatöl auf ihren Erfolg bei „Land der Ideen” angestoßen.
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Foto: Detlev Müller

Als regionaler Sieger in diesem Wettstreit präsentiert sich „tanklust“ am 31. Januar mit einem Aktionstag der Öffentlichkeit. Unter dem Motto „Solare Mobilität in der Solarhauptstadt Freiberg“ lädt die TU Bergakademie unter anderem zu einer Kinder-Uni ein.
Die kleine Projektgruppe wirbt seit Jahren für die Nutzung von naturbelassenem Pflanzenöl. Mit diesem Treibstoff hatte schon Rudolf Diesel experimentiert, bevor er auf das damals billigere Petroleum umstieg. Im Oktober 2005 startete „tanklust“ das weltweit erste Carsharing, eine Nutzergemeinschaft, von Pflanzenöl-Fahrzeugen, rüstet konventionelle Dieselfahrzeuge auf den natürlichen Kraftstoff um und leistet Aufklärungsarbeit.

„Diese Auszeichnung als “Ort der Ideen“ zeigt uns, dass Pflanzenöl schon lange kein unbekannter Kraftstoff mehr ist”, erklärt „tanklust“-Gründer Sascha Wagner. Der Kfz-Mechaniker sieht auch die wirtschaftliche Bedeutung von Pflanzenöl: „Es erhält Arbeitsplätze in der Region.” Im Gegensatz zum so genannten Biodiesel sei Pflanzenöl zudem ungiftig, umweltfreundlicher und mit geringem Energieaufwand herzustellen.
An dem Aktionstag gibt es im Zentrum von Freiberg Vorträge, Diskussionen, Technikvorführungen und Kinderangebote.

Auf dem Obermarkt wird eine Parade von Pflanzenölautos vom Pkw bis zum Traktor sowie eine mobile Tankstelle erwartet.
Unterstützung erhalten die Rapsöl-Experten auch von der TU Bergakademie Freiberg. Hans-Joachim Möller, Dekan der Fakultät für Chemie und Physik, führt bei einer Kinder-Uni spielerisch an die Nutzung von nachwachsenden Energieträgern heran. An der Bergakademie erforschen verschiedene Fakultäten die Nutzung von Pflanzen als Energieträger.
„365 Orte im Land der Ideen” ist ein Zentrales Projekt der Standortinitiative „Deutschland - Land der Ideen” von Bundesregierung und dem Bundesverband der Deutschen Industrie, mit der sich Deutschland im Jahr der Fußballweltmeisterschaft der Weltöffentlichkeit als modern und innovativ präsentieren will.

An jedem Tag des Jahres 2006 stellt sich einer der 365 Orte aus Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft mit einer besonderen Veranstaltung der Öffentlichkeit vor.
Die Initiative „tanklust” befindet sich dabei in illustrer Gesellschaft: Zu den 20 sächsischen Siegern gehören die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die Porzellanmanufaktur Meißen und die Lange Uhren Glashütte GmbH.

Claudia Hanisch

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Mit einer Tankstelle für Pflanzenöl punkten

Freie Presse 01. Februar 2006

Initiative „Tanklust” veranstaltet als ein Sieger im „Land der Ideen” Aktionstag in Freiberg - Kinderuniversität verblüfft die jüngsten Zuhörer

Die Nutzung von naturbelassenem Pflanzenöl hat gestern im Mittelpunkt eines Aktionstages in Freiberg gestanden. Die Initiative „Tanklust” präsentierte sich als Sieger beim bundesweiten Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen”. Vorträge, Diskussionen und eine Kinderuniversität boten Gelegenheit, sich über den alternativen Kraftstoff zu informieren.

Mit einer Tankstelle für Pflanzenöl könnte Freiberg im Bemühen um regenerative Energien weiter punkten. In diesem Ziel haben Fachleute die Initiative „Tanklust” gestern bei einer Diskussionsrunde in der Alten Mensa mit überwiegend jungem Publikum bestärkt. Der Einsatz der Initiative für Pflanzenöl als nachwachsenden Treibstoff wurde gestern ausgezeichnet. Damit gehört Freiberg zu den 365 Orten in der Bundesrepublik, deren fortschrittliche Ideen gewürdigt werden. Die Freiberger reihen sich ein in die Liste der 20 sächsischen Sieger, zu denen unter anderem die Staatliche Porzellanmanufaktur Meissen gehört.

Vor 200 jungen Leuten aus Freiberger Berufsschulzentren und anderen Interessenten machte nicht nur „Tanklust“-Gründer Sascha Wagner deutlich, wie umweltfreundlich und wichtig der „Kraftstoff vor der Haustür” für die regionale Wirtschaft ist. „Diese sonst eher trockenen Themen wurden unterhaltsam rübergebracht. Es beruhigt mich zu wissen, dass es Menschen gibt, die sich mit Pflanzenöltechnologie beschäftigen und dabei auch untemehmungstüchtig sind”, meinte Torsten Winkler, Schüler vom Freiberg-Kolleg. Sein Lehrer Norbert Strecker war mit 70 Schülern zum Aktionstag gekommen, denn das Thema „Erneuerbare Energien” steht auch auf dem Lehrplan. „Ich denke, den Schülern werden hier Anstöße für die Berufsorientierung gegeben”, erklärte der Lehrer. „Einige der Ideen können wir später mit in unsere Betriebe nehmen.
Der ökologische Landbau spielt ja in unserer Ausbildung eine Rolle”, meinte Jan Rudolph, der am Berufsschülzentrum für Ernährung, Haus- und Agrarwirt-schaft zum Landwirt ausgebildet wird. Er selbst habe als Autofahrer schon über den Umstieg auf alternative Kraftstoffe nachgedacht.
Auch wenn daran die jüngsten Gäste des Aktionstages noch nicht denken, konnten sie sich den ganzen Tag bei Experimenten davon überzeugen, welche Kraft ein Feld voller gelber Rapsblüten hat. Mit etwas Anstrengung gelang den Mädchen und Jungen, Ol aus der Saat zu pressen, mit dem die Zuhörer der Kinderuni am Nachmittag sogar noch Autos betanken durften.
Der Direktor des Instituts für experimentelle Physik, Hans-Joachim Möller, erklärte den jungen Zuhörern, dass man mit Pflanzenöl aus einem Hektar Anbaufläche zweimal
von Deutschland nach Peking und zurück fahren könne.
Wer Fragen zum Vortrag beantworten konnte, durfte auf dem Obermarkt eine Runde mit einem Traktor drehen, der bereits Pflanzenöl im Tank hatte. Bereitgestellt wurde er von der Agrargenossenschaft „Bergland” Clausnitz,
einem Unternehmen, das sich seit Jahren alternativen Angeboten stellt und unter anderem eine Ölmühle und Biogasanlagen eingerichtet hat. Nebenbei erfuhren die Mädchen und Jungen, dass ein Feld von einem Hektar Größe, vergleichbar mit einem Fußballplatz, 3000 bis 4000 Kilo-
gramm Raps liefern kann. Als einer der Sieger beim Quiz der Kinderuni durfte der neunjährige Michael Jaster eine Runde mit dem Traktor drehen. „Das war klasse”, zeigte er sich beeindruckt von dem PS-starken Gefährt, das doch „nur” mit Öl gelber Blüten fährt.

Von Gabriele Fleischer und Claudia Hanisch

KONTAKT

Sascha Wagner, Telefon 037322 39020; www.tanklust.de

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